Kein Tag ohne Infoladen in Wilhelmsburg!
Steigende Mieten und die Verdrängung derer, die sich diese zu bezahlen nicht leisten können sind nur zwei der Aspekte einer allerorts spürbaren Umstrukturierung Hamburgs. Sicherlich sind die Auswirkungen dieser "Gentrification" vielschichtig und die Antwort auf die Frage nach der Verantwortung für die Prozesse komplexer als dass alles Effekt einer städtisch Konzeptpolitik sei, dennoch gibt es diese Politik, die Hamburg und dessen "interessante" Viertel für eine optimale kapitalistische Verwertung präpariert.
Ein wesentlicher Teil jener Politik zeigt sich in der Neukonzeption einzelner Stadtteile. Innenstadtviertel wie die Schanze werden so poliert, dass der Großstadtdschungel gemütlich bei einem Galao beobachtet werden kann, St. Pauli wird vom unverkaufbaren Schmuddel gereinigt und für Wochenendtouristen vor Glasflaschen, Haschdealern und Obdachlosen "gesichert", Altona wird zeitgleich für finanzstarke Jungeltern vorbereitet. Südlich der Elbe sind größere Schritte notwendig um den im Sinne der städtischen Verwertungslogik weitgehend "ungenutzen Raum" in Wilhelmsburg auf die Pläne der Stadt vorzubereiten.
Bis vor wenigen Jahren prägte ein eher kleinstädtisches Bild die typische Gestalt der Insel in Hamburgs Mitte. Gesellschaftlich prägten eher sozial marginalisierte Milieus das Bild des Stadtteils. Mittlerweile hat sich vieles geändert.
Teil der politischen Kampagne zur "Formung" des Stadtteils war und ist die Förderung der Mietzahlungen für alle diejenigen die nachweislich in Hamburg studieren.
Die Bevölkerung macht einen wesentlichen Teil des Wert eines Stadtteils für das "Unternehmen Hamburg" aus. Die Förderung des Zuzugs zukünftiger Akademiker_innen ist daher als der Versuch zu deuten, der Gentrfizierung etwas nachzuhelfen und die "Pioniere" der Aufwertung gleich selbst anzusiedeln, wenn sie schon nicht von selbst kommen wollen.
Daneben tut die Stadt alles, die Aufwertung Wilhelmsburgs durch öffentlich geförderte "Events" voran zu treiben. Das bedeutendste Beispiel dürfte an dieser Stelle die für das Jahr 2013 geplante "internationale Gartenbauausstellung", (IGA) sein. Das Mammutprojekt bedeutet die Möglichkeit, den Stadtteil innerhalb weniger Jahre zu verändern, Werkzeug dafür ist die "internationale Bauaustellung" (IBA), welche die Projekte der IBA bis 2013 umsetzen soll. Straßenzüge werden in diesem Rahmen umgebaut und bewaldete Flächen zu Gärten umgestaltet. Die angeblich höhere Lebensqualität dürfen die Bewohner_innen bereits jetzt auf frühere Mieten aufschlagen.
Aus gutem Grund regt sich Widerstand im Viertel. Unterschiedliche Initiativen und politische Gruppen stellen sich den aktuellen Entwicklungen in den Weg. Auch der örtliche Infoladen, Kontakt- und Informationspunkt, sowie Kondensationspunkt linksradikaler Politik im Viertel beschäftigt sich mit dem Thema, und bietet Raum zur Organisierung und kritischen Auseinandersetzung.
Dieser Tatsache sollen die angemieteten Räumlichkeiten des Vereins nun zum Opfer fallen. Zum 1. Juli diesen Jahres wurde der Mietvertrag seitens der Hamburger Wohnungsbaugesellschaft SAGA offiziell postalisch gekündigt. Im Gespräch lieferte die Saga den Grund der Kündigung nach: die offen zur Schau gestellte IBA-kritische Haltung des Infoladens sei unvereinbar mit der Zusammenarbeit von IBA und SAGA. Der Infoladen Wilhelmsburg ruft für die folgenden Wochen zu vielfältigen Aktionen auf, ein Aufruf den wir gerne unterstützen. Infoläden im allgemeinen und der in Wilhelmsburg im speziellen sind wichtiger Teil unserer Strukturen. Wir freuen uns auf kreative Aktionen und zahlreiche Beteiligung und Solidaritätsbekundungen. Lasst uns zusammen dafür sorgen, dass die Gefärdung des Infoladen Wilhelmsburg in ganz Hamburg Thema ist.
Linke Freiräume erkämpfen und verteidigen.
Für ein kommunistisches Begehren!
[a²] Hamburg, April 2010
